Unser Gruß

Gruß 2022 Pfarrer Dr. Sebastian ZieraLiebe Gemeinde,

es ist eine Erfolgsgeschichte christlicher Gemeinschaft – in der Not entstanden, aus Mitleid geboren und mit Verstand großgezogen. Es ist die Geschichte der Gemeinschaft der Herrnhuter, die dieses Jahr ihr 300-jähriges Jubiläum feiert. Verwoben ist diese Gemeinschaft mit dem Namen Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf. Es ist das Jahr 1722. Infolge der Gegenreformation wird die Gemeinschaft der Böhmischen Brüder aus ihrer Heimat in Mähren vertrieben. Heimat- und schutzlos finden sie in der Oberlausitz auf dem Gut von Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf einen Lebensort. Die Siedlung bekommt den bedeutungsvollen Namen „Herrnhut“: ein Ort, der unter der Obhut des HERRN stehen möge.

Doch Zinzendorf – er ist damals 22 Jahre alt! – schafft nicht nur Raum und Platz, vielmehr formt er eine Gemeinschaft. Und er stellt in ihre Mitte die sogenannte Losung: Jeden Tag sucht Zinzendorf einen alttestamentlichen Bibelvers heraus, geht am Morgen von Haus zu Haus und gibt den Menschen in Herrnhut diesen Vers als Leitthema mit in den Tag. Und immer wieder sind es Worte des Dankes und des Lobens, mit der Zinzendorf die Menschen in der Herrnhuter Gemeinschaft prägt. Die Losungen werden zu einem Impulsgeber in der zwischenmenschlichen Kommunikation. Es wird erzählt, dass am Ende des Tages die Herrnhuter einander im freundschaftlichen Wettstreit über den Zaun hinweg gefragt haben sollen: „Weißt du denn die Losung von heute noch?“ Und dann hätten sich – mal mehr und mal weniger tiefschürfende – Gespräche über Gott und die Welt ergeben. Die Losung war aber auch eine Glaubenspraxis. Das Wort für den Tag band die Alltäglichkeiten in einen größeren Zusammenhang ein und erinnerte immer wieder an Gott. Diese Praxis hat übrigens auch über die Gemeinschaft der Herrnhuter hinaus Einzug in so manchen Haushalt gefunden.

Zahlreiche Christen beginnen ihren Tag mit der Losung. Die Geschichte der Herrnhuter Gemeinschaft ist eine kritische Anfrage an unser Miteinander: Was steht in der Mitte unseres Zusammenlebens? Was hören wir, was ist uns gegeben an Impulsen und Perspektiven? Und es ist eine Anfrage an die Lebenspraxis eines jeden von uns: Was steht am Anfang und was steht am Ende deines Tages? Ein Wort des Dankes und Lobes, ein gutes Wort Gottes scheint mir dabei für uns als Gemeinschaft und für mich persönlich fruchtbar zu sein. Zumindest hat diese Praxis eine erfolgreiche 300-jährige Geschichte.

Es grüßt Sie Ihr Pfarrer Dr. Sebastian Ziera