Andreaskapelle Knautnaundorf
Rundkapellenweg, Friedhof 04249 Leipzig
Die Andreaskapelle wird zur Zeit umfassend saniert. Bitte helfen sie uns mit ihrer Spende.
Von all unseren Kirchen enthält die Andreaskapelle die älteste Bausubstanz. Bereits bei einer Denkmalinventarisierung 1894 fielen die Übereinstimmungen zwischen dem sorgfältig aus Bruchsteinmauerwerk gearbeiteten Rundbau im Westteil der Kirche und der Kapelle in der Groitzscher Wiprechtsburg auf. In beiden Bauten spiegeln sich die engen Verwandschaftsverhältnisse Wiprechts II. von Groitzsch, einer der schillerndsten Figuren des Mittelalters, zur böhmischen Herzogsfamilie wieder, mit der ganz ähnliche Rundbauten des späten 11. und frühen 12. Jahrhunderts in Böhmen verbunden sind. Wiprecht war mit Judith, einer Tochter des böhmischen Herzogs Vladislav II. verheiratet, und dürfte den Bautyp der Rotunde gewissermaßen als Familienstil in seinen eigenen Herrschaftbereich übernommen haben.
Offenbar war Knautnaundorf gegen Ende des 15. Jahrhunderts im Zuge von spätmittelalterlichen Bestrebungen zur Intensivierung der Kirchlichkeit auf dem Lande zum Pfarrdorf geworden. Der ursprünglich nur für herrschaftliche Belange vorgesehene Gottesdienstraum reichte nicht mehr aus. Man behalf sich, indem man die Apsis niederlegte und an ihrer Stelle einen einfachen Saal mit polygonal geschlossenem Chor anfügte, dem heutigen Gemeindesaal. 1719-21 erfolgten weitere Veränderungen, indem die Fenster des Saales vergrößert wurden und der Rundbau einen achteckigen Turmaufbau erhielt.
Neuere archäologische Ausgrabungen zwischen 1959 und 1967 lassen auf eine Entstehungszeit spätestens um 1100 schließen. Im Zuge dieser Untersuchungen entstand ein Rekonstruktionsversuch von Wiprechts Rundkapelle. Dabei gelang es, die ursprüngliche Baugestalt der Knautnaundorfer Kapelle zu präzisieren: Grundriss der Apsis, der sich auf einem Zweidrittelkreis mit dem zylindrischen Baukörper des Kirchenschiffes überschneidet. Im Westen, gegenüber der Apsis, galt der Bestand einer hölzernen Herrscher-Empore als wahrscheinlich. In den siebziger Jahren des 20.Jahrhunderts wurde dann auf Grundlage der Bauuntersuchungen ein Umbau der Kirche begonnen. Dabei ging die Entwicklungsgeschichte der Kirche bis dahin verloren, die aber hier nicht ganz unerwähnt bleiben soll. Letztendlich entstand mit der Wiederherstellung des Rotundeninneren, des Chorbogens wie der Apsis und der hölzernen Empore ein intimer Innenraum, der durchaus etwas von dem geistigen Leben und der Spritualität des Hochmittelalters wiederzugeben vermag.
2011 fand sich im Archiv der Andreaskapelle eine Taufschale aus dem Jahr 1721. Die Inschrift der Schale ist aus Markus 16,16: Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden. Auf einem angefertigtem Ständer fand die aufgearbeitete Schale ihren Platz und wird hoffentlich oft mit dem Wasser einer Taufe gefüllt sein…
