Hoffnungskirche Knauthain
Seumestraße 129, 04249 Leipzig
Kaum ein anderes Gebäude dieser Region birgt die wechselvolle Geschichte ihrer Ortslage in einer ähnlichen Weise in sich, wie diese Kirche: die Symbolik der Einwohner aus vorchristlicher Zeit ebenso, wie die Religiosität und den Aufbauwillen der ersten deutschen Siedler, das Patronatswesen der Landesherrn, wie den Umbruch mit beginnender Verstädterung, die Kriegsnarben und die Gängelung der Kirche während kommunistischer Diktatur. Alle diese Zeiten stehen unter dem Namen, den diese Kirche seit ihrem Wiederaufbau trägt.
Den Standort wählten die deutschen Siedler am beginnenden 12. Jahrhundert sorgfältig aus. Sie errichteten ihre Kirche in unmittelbarer Nachbarschaft zum Rundling der Slawen, vermutlich auf einer ihrer alten Kultstätten. Jedoch fügten sie in ihren schlichten, romanischen Bau Teile der slawischen Symbolik geschickt mit ein. So hat sich bis heute ein Portal aus jener Zeit erhalten, das im Kapitell seiner rechten Säule ein Pentagramm trägt. Dieses Drudenfuss genannte Zeichen sollte bösen Geistern das Überschreiten der Schwelle verwehren. Etwas versteckt als Hintereingang der heutigen Kirche, wartet dieser Schatz auf Ihre Entdeckung. Schon beim Bau der jetzigen Kirche im Jahr 1846 hat man dieses Portal der Vorgängerkirche als etwas besonderes erkannt und in den Neubau hinübergerettet.
Das Gewände – die nach innen schräg zulaufenden seitlichen Laibungen – weist mit den Säulen die für diese Bauepoche typische Staffelung auf. Den oberen Abschluss der Säulen bilden, ebenfalls ganz typisch für diese Zeit, reich verzierte Würfelkapitelle. Das Linke zeigt ein Rankwerk aus Eichenlaub, das Rechte den erwähnten Drudenfuss. Überspannt wird das Portal von einem sich am Gewände orientierenden, halbkreisförmigen Bogen (Archivolte). Der Tympanon (Fläche zwischen Bogen und Türoberkannte) ist mit dem Relief eines Vortragekreuzes (Prozessionskreuz) geschmückt. Die Formensprache des heutigen Kirchbaus aus der Zeit des Historismus greift ganz eindeutig auf diese romanischen Gestaltungselemente zurück, womit das Portal auch zur Identität der aktuellen Kirche gehört.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts reichte die romanische Kirche, trotz zahlreicher Veränderungen für die nun stark anwachsenden Einwohnerzahlen nicht mehr aus und man entschloss sich zu einem Neubau. Damit beauftragt, entwarf der junge Leipziger Architekt Ernst Wilhelm Zocher einen spätklassizistischen Baukörper in romanisierender Formensprache mit einem achteckigen Kirchenschiff und einem gotisch anmutenden Turmaufsatz. Er kopierte dabei nahezu plagiativ die Dorfkirche von Lichtenberg bei Pulsnitz. Dennoch entstand mit dem 1846 geweihten „Emporen- Oktogon“ eine lichtdurchflutete faszinierende Hülle für protestantische Gottesdienste. Auch die Gutsherren, als Kirchenpatrone jener Zeit, hinterließen ihre Spuren bis in unsere Tage. So sind zwei Grabplatten im Kirchenschiff und ein handgeknüpfter Wandteppich der Gemahlin des Grafen von Hohentha erhalten.
Am 20.Februar 1944 wurde die Kirche bei einem Bombenangriff schwer getroffen und brannte völlig aus. Nur das, die Emmausjünger zeigende Altarbild und der bereits erwähnte Teppich konnten aus der brennenden Kirche gerettet werden. Unter den Zwängen der Nachkriegszeit begann der Wiederaufbau 1951. Der schlanke Turmaufbau konnte mit den wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen im sozialistischen Regime nicht wieder aufgebaut werden. Der ehemals mit einem zweigeschossigen Kanzelaltar und einer umlaufenden Empore aufwendig ausgestaltete Innenraum stellt sich heute sehr schlicht dar. Faszinierend ist die, zu dem im Zentrum stehenden Taufstein ausgerichtete, Bestuhlung. Akzente setzen die Messingblech-Installationen über dem Ausgang und oberhalb des Altars. Nach der Wende konnten einige positive Veränderungen umgesetzt werden. So wurden die mit einem provisorschen Charme ausgestatteten Sakralmöbel (Altar, Lesepult und Taufstein) durch Neue ersetzt, der Eingangsbereich behindertengerecht ausgebaut, die Kirchendecke im Jahre 2008 neu gestaltet und der Innenraum renoviert. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich das Pfarrhaus und das s.g. Kantorat, für das ein Ersatzbau geplant ist. Der Neubau wird die sonst sehr begrenzten Räume der Gemeinde zweckmäßig und bedarfsgerecht ergänzen.
