Unser Gruß

Gruß 2017 (Sebastian Schirmer)Liebe Gemeinde,

1991 sagte ein bekannter deutscher Liedermacher bei einem seiner Liveauftritte:
„Ich glaube, die Liebe stirbt nie eines natürlichen Todes. Sie stirbt an Gleichförmigkeit, an Langeweile und an Missverständnissen. Und ich glaube auch, dass es dann das Heldentum des Alltags ist, immer wieder einen Neubeginn zu versuchen, aus der Gleichförmigkeit, aus der Langeweile und den Missverständnissen heraus.“

Wenn ich die Bibel aufschlage und vorn beginne: „Im Anfang schuf Gott...“ und die Geschichte Gottes mit der Welt und mit den Menschen beginnt, dann entdecke ich den ersten Neubeginn. Und ich blättere etwas weiter:
Noah – das Versprechen Gottes mit dem Zeichen des Regenbogens und ein Neubeginn. Abraham – ein Bund und ein Neubeginn. Mose – ein geflohener Mörder und ein Neubeginn mit ihm und einem ganzen Volk. Beinahe Seite für Seite kleine und große Neubeginne. Und dann ein kleines Kind in einer Krippe – ein neues Leben, ein neuer Beginn. Schließlich wird das Kind zum Mann und stirbt am Kreuz – der Vorhang im Tempel zerreißt, ein neuer Bund mit den Menschen beginnt in Leib und Blut Jesu Christi, ein Neubeginn. Bis zur letzten Seite kann ich das Buch der Geschichte Gottes mit uns Menschen aufschlagen und entdecke: unser Gott ist ein Gott des Neubeginns. Auch wenn ich einmal in Gleichförmigkeit, Langeweile oder Missverständnissen feststecke und mir die Liebe zu Gott, zu anderen Menschen und zu mir abhanden zu kommen scheint, darf ich neu beginnen. Das ermutigt mich, weil ich weiß, dass nicht jeder Versuch des Neubeginns gelingt – sei der Heldenmut des Alltags noch so groß.
Und so wünsche ich uns, dass wir uns aufmachen, wie die Frauen am Ostermorgen, die, so berichtet es das Lukasevangelium, von zwei Männern eine sonderbare Kunde erhalten: er ist nicht hier. Auch sie mussten neu anfangen. Die Zeit, in der sie mit Jesus durch das Land zogen, war nun augenscheinlich vorbei. Doch, wo etwas zu Ende gegangen zu sein scheint, keimt schon der Same des Neubeginns. In Trauer, Angst und Verzweiflung schöpft unser Gott Freude, Mut und Hoffnung. Da machen sich die Frauen wieder auf – weg vom Grab und den Toten, hin zu den Lebenden; gemeinsam mit den Freunden machen sie sich auf, neu zu beginnen und, von neuem Heldenmut beflügelt, dem Auferstandenen zu begegnen – dort, wo er immer zu finden war: bei den Menschen. Auch für mich steht in diesem März ein Neubeginn bevor: als Vikar in Ihren Gemeinden. Ich freue mich sehr auf diesen Neubeginn!

Ihr Sebastian Schirmer