Unser Gruß

Gruß 2019 (Pfarrer Karl Albani)Liebe Gemeinde,

manche Leute haben die Ruhe weg. "Erst mal
ganz langsam angehen!" "Morgen, vielleicht,
bloß nicht heute!" "Alles schön gemütlich!"
Das mag mitunter als Lebensmaxime nicht
schlecht sein, um gesund zu bleiben und den
Herzinfarkt zu vermeiden. Aber in bestimmten
Situationen heißt es: "Suchen! Los! Nichts wie
hinterher! Verliert keine Zeit! Jagt ihm nach!"
Wenn ich unbedingt etwas schaffen muss, ich
es um nichts in der Welt verpassen darf, wenn
ich etwas lebenswichtig brauche, dann setze
ich alle Räder in Bewegung und hoffe, dass
andere es auch für mich tun. Wenn ein Kind
verloren geht im Getümmel der Großstadt, Helfer nach einem Vermissten suchen, ein Kind in ein tiefes Bohrloch gefallen ist, dann ist ein "Langsam, langsam" purer Zynismus. Dann gilt es, keine Zeit zu verlieren, alles einzusetzen, was in menschlicher Macht liegt, weil es ums Leben geht.

"Suchen und Nachjagen": In diesen beiden Begriffen der Jahreslosung spürt man etwas von Leidenschaft, von Engagement, von Ausdauer und Kraftaufwand. Aufgeben ist nicht drin! Ist der Frieden etwas, wofür sich eine fieberhafte Suche lohnt? Lässt er uns Menschen nicht zögern und zaudern, weil es gilt, ihn jetzt und heute und nicht morgen oder irgendwann zu erreichen? Frieden – wie wichtig ist er mir? Von Politikern wünschen
wir uns Frieden machende Leidenschaft. Aber wie lange schon schiebe ich nicht bearbeitete Konflikte mit Menschen, denen ich aus dem Weg gehe, vor mir her? Wie stark bedauere ich, im Streit auseinandergegangen zu sein? Spüren Menschen, dass ich unbedingt mit ihnen im Frieden leben möchte? Hab ich das Gefühl, im Frieden, im Reinen mit mir selbst zu sein? Suchen, wo der Frieden verloren gegangen ist, das heißt, es sich bewusst zu machen, es nicht zu verdrängen, es zu beklagen und dann eben nicht bis morgen warten, es nicht nur vom Himmel zu erbitten. Ich kann und soll suchen und nachjagen. Ich kann etwas machen und wenn es der erste Schritt ist.

Ein Mönch bekommt von einem Klosterbesucher die Frage gestellt: "Sag mir, was kann ich als einziger kleiner Mensch zum großen Frieden beitragen?" Die Antwort des Mönches: "Wenn du gleich das Zimmer verlässt, dann hau die Tür nicht so laut zu." Diese Jahreslosung möge Sie erinnern, möglichst in diesem Jahr anderen keine Türen vor der Nase zuzuschlagen, sondern diese und sich selbst zu öffnen.

Ihr Pfarrer Karl Albani