Unser Gruß

Gruß 2017 (Sebastian Schirmer)Liebe Gemeinde,

einer ruft laut: Es ist vollbracht!

Wer ruft denn so etwas?
Ich stelle mir einen Bauern vor, der mit starker Hand am Pflug ein ganzes Feld allein gepflügt hat. Dann steht er stolz am Rand und blickt auf seine Arbeit mit den Worten: Es ist vollbracht!

Ich stelle mir einen Maurer vor, der erst nur mit der Schaufel in seinen Händen ein Fundament aushob und es dann goss und schalte und der schließlich darauf ein Haus errichtet: Stein auf Stein. Nun steht er stolz davor und ruft: Es ist vollbracht!
Ich denke ebenso an Schriftsteller, an Chirurgen und Pfleger, an Servicekräfte und viele andere Berufe mehr. Die Worte klingen in meinen Ohren nach harter Arbeit und außerdem wie die Worte eines Schöpfers, der vor seinem vollendeten Werk steht.

Einer ruft laut: Es ist vollbracht!

Wer ruft denn so etwas?
Es ist einer, der am Kreuz hängt und dessen letzte lebendige Minuten anbrechen. Danach wird er sterben – so wie alles sterben muss. Doch nicht für lange. Nach drei Tagen wird er auferstehen. Die Freiheit eines neuen Lebens bricht an – so hätte es die große Theoretikerin Hannah Arendt wohl gesagt. Eine Revolution gegen den Tod geht nicht ohne den Tod, wenn sie ihn überwinden will. Und danach beginnt ein neuer Aufbruch in ein neues Leben. So, wie das Leben jetzt im Frühling sich neu erhebt und blüht, nachdem die Schatten des Winters sich verziehen.

Es ist vollbracht! Ruft Jesus am Kreuz und meint damit, dass nun, da das Alte vergangen ist, etwas Neues anbrechen kann. Jetzt ist Raum für neues Leben – sowohl jetzt schon, da wir noch leben, wie auch dann, wenn wir einst sterben.

Justus Delbrück, ein Mann des Widerstandskreises um General Hans Oster, nach dem Zweiten Weltkrieg in ein sowjetisches Gefangenenlager verbracht, schrieb dort ein Gedicht – ein Gedicht, dass seine Kraft daraus zieht, dass der Ruf Jesu am Kreuz nicht einfach verhallte, sondern wahr ist: für heute und immer.

Mögen auch Sie Kraft daraus schöpfen für all die Mühen, die unser Alltag bereit hält, bis wir sagen dürfen: Es ist vollbracht!

Ihr Vikar Sebastian Schirmer